Ein Sterbeeintrag für die hertzgeliebteste Ehefrau - 1736

 

Jeder Ahnenforscher muss sich früher oder später den Kirchenbüchern zuwenden, welche die Pfarrer in akribischer Arbeit seit Jahrhunderten angelegt haben. Jede Geburt bzw. Taufe, Heirat und Beerdigung wurde in diesen Büchern vermerkt. Aber während die neueren Einträge meist ordnungsgemäß in Tabellen mit festgelegten Spalten zu finden sind, geht es in früheren Jahrhunderten viel unkonventioneller zu. Die einen Geistlichen vermerkten nur das allernötigste, während anderen die Schreiberei augenscheinlich Freude machte und ihre Texte sehr ausführlich und mit persönlichen Bemerkungen gestalteten. Wenn man als Forscher dann das Glück hat, dass der schreibfreudige Pfarrer selbst ein Vorfahre ist, macht das durchstöbern der Kirchenbücher richtig Freude (auch wenn der ehrenwerte Vorfahre eine furchtbare Klaue besaß).

Auf diese Weise fand ich auch den Sterbeeintrag meiner Vorfahrin Johanna Elisabetha, welche 1736 mit 42 Jahren in Diersheim/ Offenbach starb. Ihr Ehemann war der Pfarrer des Ortes, musste also den Tod seiner eigenen Ehefrau im Kirchenbuch vermerken. Nun war in diese Zeit eine etwas gefühlvollere Sprache durchaus üblich, und doch habe ich selten einen so berührenden und lebendiges Zeugnis der Trauer um eine Ehefrau und Mutter aus der Zeit gelesen.

 

"Den 20ten Octobr. [1736] vormittag um 10 Uhr starb in Ihren allerliebsten Jesu sanfft und seelig, an einer hitzigen fiebrischen Krankheit: Johanna Elisabetha, geborene Bäschin, meine, [also des] hießigen Pfarrers Wolfg. Adam Ernest. Kühlwein, im Leben hertzgeliebteste Ehefrau, und wurde den 22.ten Ejusedem Solemnitez, nach gehaltener Leichen-Predigt und Parentation, Zu ihrem Ruhebetth der erden, unter unzählig threnen, bestättiget. Ihres Alters 42. Jahr, 4 Monath und 4 Tag.

 

Gott laße den von mir u. den betrübten Meinigen mit Hertzschmertz, trenen, weh u. ach, in die Erde gesenkten lieben leib, da selbsten sanfft u. stille ruhen, biß zur wiedervereinigung Ihrer bey Gott von nun an, mit himml. Freuden ergötzten Frommen Seelen. Mich aber, durch diesen, den höchstempfindlichen Todeßhochbetrübten, an Leib und Gemüth niedergeschlagenen, richte auf er wahre Tröster, der Gott aller Tröster, der uns Tröstet in all unserer Trübsaal, auß der Höhe, um Christi Willen allergnägdigst, Amen!"

 

 

 

 

Quelle: archion,de; Landeskirchliches Archiv Karlsruhe > Diersheim > Beerdigungen Sept. 1736 - 1787 (Bild 2)