Räuber in Weißenburg  

 

An einem kalten Tag, ende des Jahres 1621, musste sich mein Vorfahre Abraham Döderlein für einen Raub verantworten, den er nicht begangen hatte. Der Jude Marx aus Ellingen, mit welchem er noch wenige Tage zuvor Geschäfte abgeschlossen hatte, wollte von ihm 300fl. (Gulden) ersetzt haben. Was war passiert?

 

Abraham Döderlein, ein angesehener Bürger der Stadt Weißenburg, machte sich an einem Sonntag, den 2 September 1621, auf den Weg nach Ellingen um sich mit den Juden Marx „zu berechnen“. Außerdem wollte er von ihm ein Darlehen von 500fl. (Gulden) für sich und seinen Freund haben, was damals eine wirklich große Summe darstellte. Marx erklärte sich bereit, den beiden 400fl zu leihen, aber erst, wenn er eine Quittung als Beleg hätte. Man einigte sich, und Abraham ging mit 100fl wieder nach Hause, während Marx am nächsten Tag ihm und seinen Freund die restlichen 300fl vorbeibringen wollte. Abraham hatte ihn nur gebeten, recht früh zu kommen, denn er wollte am nächsten Tag nach Ingolstadt auf den Markt fahren.

 

File:Hans Ulrich Franck Der geharnischte Reiter.jpg

 

Am nächsten morgen früh um 6 Uhr klopfte es ein zweites mal an die Tür von Marx. Als er öffnete, stand dort der etwa 10 Jährige Sohn von Abraham, der behauptete, der Vater schicke ihn, Marx solle ihm das bewusste Geld geben und mit ihm zusammen hinüber nach Weißenburg kommen. Da Marx aber noch nicht sein Gebet verrichtet hatte und sich sonst noch fertig machen musste, dauerte es noch gute 1 ½ Stunden bis sie aufbrechen konnten. Allerdings kamen sie nur bis zur Brücke bei der Galgenmühl. Dort wurde ihnen der Weg von zwei bewaffneten Reitern versperrt. Marx konnte sich schon denken, was das für Reiter waren, und er hielt es für besser, schnell über die Wiese zu flüchten. Und tatsächlich ritten ihnen die „Raubvögel“ prompt hinterher, holten nach einer längeren Verfolgungsjagt zuerst den kleinen Sohn von Abraham ein und schüttelten ihn durch und durchsuchten ihn nach dem Geld. Doch Marx war mit diesen bereits weiter gerannt und versuchte die sichere Stadt Weißenburg zu erreichen. Als Marx sah, dass die Reiter näher kamen, schmiss er das Geld in den nächstbesten Garten, aus dem ihn zwei verdutzte „Mannspersonen“ entgegensahen, mit der Bitte, es schnell zu verstecken. Doch die Räuber stiegen einfach über den Zaun und holten sich ihre Beute. Zwar wollte der Jude sein Geld nicht so einfach hergeben und sich wehren, aber schon bekam er eine Pistole an die Brust gesetzt. Und bevor er sich versah, waren die Raubvögel ausgeflogen. 

 

Bild: Zeitgenössisches Bild "Der geharnischte Reiter" von Hans Ulrich Franck

 

Nun wollte Marx das Geld von Abraham Döderlein ersetzt haben. Schließlich hätte er ja das Geld schon den jungen Döderlein übergeben, und er sollte diesen ja nur begleiten. Abraham Döderlein wollte sich aber nicht damit abfinden. Er habe sein Söhnlein nicht nach Ellingen geschickt um das Geld zu holen, denn wie hätte er auch annehmen können, der Jude gäbe dem kleinen Knaben das Geld mit, dass er am Abend zuvor schon ihm selbst ohne richtige Quittung nicht hatte aushändigen wollen! Er habe ihn nur nach Ellingen geschickt, um Marx anzutreiben recht bald nach Weißenburg zu kommen, weil er - Abraham - ja noch auf den Markt nach Ingolstadt fahren wollte. Wegen der unsicheren Zeiten hätte er nicht allein fahren wollen, sondern sich den andern anschließen, die auch dorthin gingen, und die er daher gebeten hatte noch etwas auf ihn zu warten.

 

Der Rat der Stadt war ausnahmsweise einmal ratlos und übergab den Fall der Tübinger Universität. Doch leider ist der Ausgang nicht mehr bekannt. Nach fast 400 Jahren sind die Dokumente verloren gegangen.