Leben in Masuren - Nach Erinnerungen

siehe auch -> Vorfahren aus dem Kreis Johannisburg

 

Gemälde von meinen Großvater Wolfgang Bandur (1919-2008), gemalt 1945. 

 

Der Hof in Sokollen (Falkendorf) Kreis Johannisburg

 

Die Koziankas (meine Vorfahren) sollen schon seit 1410 einen Bauernhof ins Sokollen am Berg, direkt an der polnischen Grenze, bewohnt haben. Um 1900 war er das zweitgrößte Gut in dem Ort, der größte war der Erbhof der Waschiks. Der Hof war wie fast alle Höfe in der Gegend ein Vierseithof. Direkt an der Straße befand sich das Wohnhaus, welches um 1925 abgerissen und erneuert wurde. Vor dem Abriss bestand es aus Feldsteinen. Früher waren die Dächer mit Stroh bedeckt, doch gab es diese später nur noch bei ärmeren Familien, die sich kein modernes Dach leisten konnten.

 

Koziankas vor der kleinen Windmühle im Ort

 

Der Innenhof war mit sogenannten Katzenköpfen gepflastert, und in der Mitte des Hofes befand sich ein sehr tiefer Brunnen, in dem im Sommer auch die Butter usw. zur Kühlung gehängt wurde. Vor dem Brunnen war ein mächtiger Wasserdrog, der die Größe eines Baumstammes hatte. Trotzdem wurde er schnell zu klein, wenn alle Tiere trinken wollten. Jeder Hof hatte ein großes Tor, durch welches die Ackermaschinen durchpassen mussten. Früher war es üblich, dass vor jeden Hoftor eine Linde wuchs. Aber mit der Zeit wurden die Maschinen immer größer, so dass die Linde bei den meisten Bauern abgesägt wurden, damit die Maschinen durch dass Tor passten. In Sokollen wurde alles das angebaut, was man zum leben brauchte. Die Landwirtschaft in Masuren war sehr aufwendig. Der Boden war sehr sandig, und dementsprechend nicht sehr ertragsreich. Was man in Sokollen auf 200 ha Land anbaute, wuchs auf besseren Boden auf gerade mal 90ha. So kam es, dass die größeren Kinder den ganzen Sommer auf dem Feld arbeiteten, und nur im Winter in die Winterschule gingen, um das Wichtigste zu lernen.




Feldarbeit in Sokollen 

 

Den Hof erbte für gewöhnlich der älteste Sohn, während die anderen sich in Höfe einheirateten oder sich bei den ältesten Sohn als Knecht verdingten. Bei der Hofübergabe wurde genau ausgehandelt, wie viel die Eltern von der Ernte und dem Erlös bekommen sollten. Nachdem dies geklärt war, zogen die Eltern in einem abgesonderten Teil des Wohnhauses im ersten Stock und überließen den Hof der nächsten Generation. 

 

Mein Ururgroßvater - der Gutsbesitzer

 

Da mein Ururgroßvater Wilhelm Kozianka der Gutsherr war, arbeitete er und seine Familie nicht auf dem Feld. All diese Arbeiten wurden von Knechten und Tagelöhnern verrichtet, welche in den sogenannten „Insthäustern“ lebten. Die Knechte waren dabei oft Verwandte der Gutsherren, welche aber als "zweitgeborene" kein Anrecht auf den Hof hatten. So arbeitete oft der Bruder als Knecht für den älteren in der Familie. Diese Knechte lebten über viele Generationen auf dem Gut, außer wenn sie sich nach auswärts verheirateten. Da sie Familienmitglieder waren, waren sie höher angesehen als zum Beispiel polnische Tagelöhner, die auch Saisonweise auf dem Hof arbeiteten.

Wilhelms Aufgabe als Gutsherr war es, all die Arbeiter auf dem Hof zu kontrollieren und seinen Knechten und „Bediensteten" zu zeigen, wie sie dies und jenes handhaben mussten. Seine Frau tat das selbe, nur dass sie die Aufsicht über die Mägde hatte.

 

An der Grenze

 

Wilhelm besaß in Sokollen sehr viele Pferde, welche auf der Wiese hinter dem Hof grasten. Diese Wiese ging bis zur polnischen Grenze hin, und es kam öfters vor, dass die Tiere nach Polen „ausbüxten“. Dann machte sich Wilhelm höchstpersönlich auf, seine Tiere wieder einzufangen, da er bei der Gelegenheit gleich ein wenig guten polnischen Schnaps über die Grenze schmuggeln konnte. Damals hatten die Russen die Oberhoheit über das polnische Gebiet, und diese passten gut auf, das nicht zu viel über die Grenze gebracht wurde. Als nun einmal die Pferde wieder einen Alleingang wagten, wurde Wilhelm am Grenzgraben erwischt, wie er eben nicht nur die Tiere sondern auch ein wenig Schnaps nach Hause bringen wollte. Der Grenzposten und Wilhelm kamen ins Gespräch (wenn man Masurisch konnte, verstand man Russisch und Polnisch ziemlich gut) und schlussendlich lies der Kontrolleur Wilhelm samt Schnaps ziehen. Er meinte nur noch: „Wenn sie den Schnaps mitnehmen, werden die Tiere wohl noch öfters zu uns laufen!“ 

 

Leben in Masuren

 

Das Wohnhaus und die Räume in diesen waren alle sehr groß. In der Küche stand ein großer Tisch, denn wenn Familienfeste waren, kamen ganze Dörfer zu Besuch, und da brauchte man sehr viel Platz um die Leute unterzubringen. Dass Essen wurde bei solchen Anlässen in riesigen Kesseln zubereitet, welche nur von zwei starken Frauen getragen werden konnten.  

 

Die Geschwister Kozianka in Masuren (Übrigens: "Kozianka" gesprochen = Koschjanka)

 

Die Winter in Masuren waren sehr kalt, so dass oft meterhoch Schnee lag. Dann versammelte sich die ganze Familie an den großen Kachelofen, der in keinem Haus fehlen durfte. Manchmal waren diese mit bebilderten Kacheln besetzt, bei uns in der Familie waren sie meistens einfarbig. Saßen dann alle in der warem Stube, wurden Geschichten erzählt oder alte Anekdoten aus der Familie ausgegraben. Wärend die Kinder den Erzählungen lauschten, wurde traußen der Schnee beseitigt. Pferde zogen dazu einen dreieckigen Schneepflug hinter sich her, der den Schnee dann säuberlich an den Straßenrand beförderte. 


Fast jedes Dorf hatte seinen eigenen See oder wenigstens einen Tümpel. Auch in Sokollen gab es solch einen größeren Tümpel, in dem die Pferde nach der Feldarbeit hineingetrieben wurden, damit sie sich waschen konnten. Häufig saßen auf dessen Rücken die Kinder, für welche das ebenfalls eine willkommene Abkühlung darstellte. Die Kinder der Koziankas konnten gut reiten. Einmal versetzte die kleine Erika die russischen und polnischen Kriegsgefangenen, die wärend des ersten Weltkrieges auf dem Hof mitarbeiteten, in allergrößtes Erstaunen. Als nämlich einmal die Trakehner aus dem Stall galoppiert kamen, sprang die etwa 13-jährige zu einem Tier hin, klammerte sich an die Mähne des Tieres und schwang sich auf dessen Rücken. Das solch ein Kunststück mehr als gefährlich ist, kann man sich denken. 

 

 

 

Vor den Ställen und die echten Trakehnerpferde der Koziankas

 

(Bilder zum vergrößern anklicken!)

 

 

Erinnerungen meiner Uroma an die Schulzeit um 1900

 

Meine Uroma Clara Kozianka ist in Ostpreußen geboren und aufgewachsen. Als sie etwa 20 Jahre alt war, ging sie als Dienstmädchen nach Berlin und lernte dort meinen Uropa kennen. Seitdem war sie immer nur noch zu Besuch in der alten Heimat, doch war sie dieser bis ins hohe Alter sehr verbunden. Aus ihren letzten Lebensjahren fand ich einen kleinen Notizzettel, in der sie ihre Schulzeit in Masuren beschreibt. Der Text ist an manchen stellen nicht vollständig, dort habe ich Wörter in [] ersetzt.

 

 Clara Kozianka mit ihren Mann und ihrer

gemeinsamen Tochter 1916

 

"[Ich wurde geboren] als 5. Kind eines Gutsbesitzers von 280 Morgen Land. [Er besaß] Wald, Wiesen und einem großen Roßgarten im Masurenland Ostpr. Mein Heimatland war sehr schön. Meine Jugendjahre verlebte ich wie im Traumlande. Die Schule war 2 Klm. Vom Dorfe entfernt. Ein Genuß war das, im Sommer, wie auch im Winter in unsere Schule zu gehen. Gelernt habe ich sehr gut. Aber mit der Pünktlichkeit waren wir nicht genau. Es waren unser 3 Mädchen und von Spaß wusste eine mehr als die andere. Und die erste Zeit nannte uns der Lehrer „Ihr Windkutscher!“. Das hat uns gewurmt. Wir waren doch keine Kutscher, wir haben einfach ein Gespann gemacht. Ich war der Kutscher und Emmy und Liesel waren die Pferde. Wir kamen an ¼ 8 Uhr angesaust und um 7 mussten wir doch schon in der Schule sein! „Wo kommt ihr Strolche jetzt erst her?“ „Von zu Hause!“ war die prompte Antwort. „Und was soll ich mit euch machen?“ „[Lernen] uns Luder erst brav zu erziehen!“ Gab ich zur Antwort. „Du bist wohl der Anstifter, dich muss ich erst richtig ins Korn nehmen!“ „Nun, da gehe ich nicht mit, mein Vater sagt, dass sollen wir ja nicht machen, das Korn wird [dabei] getreten und wir haben kein Brot!“

  

Als wir nun aus der Schule [kamen], haben wir uns verabredet den nächsten Tag als Strolche in die Schule zu gehen. Gesagt, getan. Wir waren um ½ 8 in der Schule, 3 richtige Strolche. Bescheiden kamen wir rein. Aber die ganze Schule [ist] eine Lernsache. So sagte der Lehrer: „Was habt ihr nur gedacht, was ich da sagen werde, wenn ihr wieder zu spät kommt?“ „Ja, Sie haben uns doch Strolche genannt, und da dachten wir, wir müssten auch als Strolche gehen. „Was werden eure Eltern sagen?“ „Garnichts! Die Eltern sagen immer, dem Lehrer muss man gehorchen und das machen, was er sagt!“ „Na wartet nur ihr Taugenichtse! Heute bekommt ihr viele Schulaufgaben auf, dass ihr keine Zeit habt, Dummheiten zu machen!“

  

Gesagt, getan, den anderen Tag kamen wir pünktlich um 7 Uhr in die Schule, aber wir haben nichts gelernt. „Na, heute seid ihr pünktlich!“ spricht der Lehrer, „Zeigt, dass ihr was gelernt habt!“ „Nein, gestern konnten wir nicht lernen, früh wollten wir nicht zu spät kommen, und so blieben die Schularbeiten aus.“ „Zur Strafe geht ihr eine Stunde in den Hühnerstall! Nach einer Stunde hat er uns raus geholt und gefragt: „Und, was habt ihr gelernt?“ Und wir drei antworteten: Wir haben mit den Hühnern um die Wette gegackert!“

 

 

Die Sprache


In Masuren, und besonders im Kreis Johannisburg, wurde bis nach dem ersten Weltkrieg Masurisch (eine Mischung aus Polnisch und Deutsch) gesprochen, allerdings konnten die meisten auch Deutsch. Nach dem Weltkrieg ging die Bevölkerung aber von alleine immer mehr dazu über, nur noch Deutsch miteinander zu sprechen, um sich von den Polen abzugrenzen. So kam es, dass die jüngere Generation diese Sprache nicht mehr beherrschte, und so die Eltern diese als „Geheimsprache“ benutzen konnten. Doch haben zum Beispiel meine Ururgroßeltern Wilhelm Kozianka (= "Koschjanka") und seine Ehefrau die meiste Zeit ihres Lebens Masurisch gesprochen.

 

Lied in Masurisch:

1. Modre oczkie mamy,
na sie spoglondamy.
A co kom’ do tego
Kiedy sie Koehamy,
  2. Bylebyszmy zygli
  Jak dwa golembetzki,
  Musiliszmy sie rostac
  Dla jeg matecki.
  1. Blaue Augen han wir,
  Auf einander schaun wir.
  Wen geht das was an,
  wenn wir uns lieb han?
  2. Hätten gern gelebet
  Wie zwei Turteltäubchen,
  mussten aber scheiden, sein
  Muttchen tat’s nit leiden.“

Quelle: http://www.angerburg.de/sprache.htm

 

Masurisches Vaterunser (aus "Die Slawen in Deutschland" von Franz Tetzner)

Anmerkung: Das Vaterunser weicht kaum von den polnischen ab. Eventuell liegt das daran, dass die Kirchensprache in Masuren polnisch war. 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Ururgroßeltern aus Ostpreußen

 

Wilhelmine Kozianka geb. Kuliga und Wilhelm Kozianka

 

 

Wilhelm Kozianka wurde am 5. Februar 1854 als Sohn von Adam Kozianka und der Gottliebe geb. Wahrasczyk in Sokollen am Berg geboren. Eigentlich wollte Wilhelm wie sein ältester Bruder im Kaiserlichen Heer eintreten, allerdings fiel dieser älteste Bruder in den 1870/71er Krieg und er musste als Bauer den sehr alten väterlichen Hof übernehmen. Seine Ehefrau hatte er dass erste mal bei ihrer Einsegnung (Konfirmation) gesehen, und sofort beschlossen: „Das wird meine Frau!“. Und so ist es dann auch gekommen. 

 

Was passierte, wenn Wilhelm ein wenig Schnaps trank

 

Er war sehr schlank und groß, und war auch kein großer Schnapstrinker, obwohl in Masuren immer sehr viel getrunken wurde. Wenn er dann doch mal ein wenig trank, bekam er stets einen roten Fleck über der Nase, so dass seine Ehefrau Wilhelmine sofort Bescheid wusste. So ging er nur sehr selten in die Wirtschaft und ließ, sich auch nicht von den anderen Bauern scharf machen, die sich schon über ihn lustig machten, dass ein so großer und starker Mann sich etwas von so einer kleinen und zierlichen Frau sagen ließ. Als er einmal doch in der Kneipe saß, schickte seine Frau ihre jüngste Tochter Erika rüber, um den Vater abzuholen. Doch der wiegelte immer nur mit: ,,Ja, ja, ich komm’ gleich“ ab, und ließ auf sich warten. Nachdem das viermal so gegangen war ging Wilhelmine selbst rüber. Wilhelm sah sie nur in der Tür auftauchen und schon ging er mit ihr. Seine Frau sagte kein Wort. Sie gingen in die Wohnstube und die kleine Erika wartete am Türschlitz voller Spannung darauf, was nun passieren würde. Opa mit leuchtend rotem Fleck auf der Stirn schwankte ganz schön und setzte sich auf einen Stuhl. Was wohl passieren würde? Da holte kleine Frau aus und verpasste dem großen Ehemann ein paar Ohrfeigen. Und er? Er sagte nur: ,,Hast recht, Alte, hast recht.“

 

Wilhelmine und ihre Familie

 

Wilhelmine Kuliga, Wilhelm Koziankas Ehefrau stammte aus Bagensken (=Lehmannsdorf) und wuchs auf einem großen Gut auf, welches also über 500 Morgen (4Morgen=1ha) umfasste. Sie hatte noch 4 wesentlich ältere Brüder, von denen einer ebenfalls im 1870/71er Krieg gefallen war. Ihre Mutter hatte sie gerade auf dem Arm, als die Nachricht von den Tod des Bruders kam, und hat darüber bitterlich geweint. Da sagte die vierjährige: „Mutter, warum weinst du denn, du hast doch noch mich!“ Später, als ihr zweiter Sohn im ersten Weltkrieg fiel, hat sie genauso geweint, obwohl sie ja noch 11 Kinder hatte.

 

"Die Toten strecken die Arme nach mir aus!"

 

Sei hatte vier Brüder, von denen zwei Studierten. Bei dem studieren ging es nach der Faustformei: Hat er einen guten Kopf, wird er Rechtsanwalt, sonst Pfarrer. Der eine wurde Pfarrer. Seine Antrittspredigt hielt er in Kumilsko, seinem Heimatdorf. Nach der Predigt ging er über den Friedhof zum Haus seiner Braut. Er hatte Fieber und
erzählte, dass die Toten auf dem Friedhof ihre Arme aus den Gräbern nach ihm ausgestreckt hätten.
Daraufhin gab ihm der Arzt ein Mittel zum Einreiben und eins zum Schlucken. Doch zu seinem großen Unglück verwechselte die zukünftige Schwiegermutter die Mittel, woran er starb. Aber sie wurde gerichtlich nicht belangt, weil sie dadurch schon genug bestraft war.

 

Wie ein ganzer Hof verkommen kann

 

Der andere Bruder hat Medizin studiert und wurde Sanitätsrat in Weißenfels in Thüringen. Der dritte Bruder wurde Gutsbesitzer, brauchte den Brüdern aber nichts mehr auszuzahlen, da ihr Erbteil mit den Kosten für das Studium aufgebraucht war. Dieser dritte Bruder hatte eine Lehrerstochter geheiratet, die aber für den Hof nichts taugte. Es hieß damals: ,,Eine Bauersfrau kann in der Schürze mehr aus dem Haus tragen als der Bauer mit dem Fuder einfährt“ So war es hier auch. Sie hatte immer nur Gäste und Feiern im Kopf, während das Kind hat auf dem Boden mit Talern spielte. Als dieser Bruder gestorben war, hatte dessen Sohn ein völlig verschuldetes Erbe übernommen und der Hof sollte ,,unter den Hammer“ kommen. Zur Beerdigung war auch der Onkel aus Weißenfels gekommen. Er soll geweint haben, als er den verluderten Hof gesehen hatte. Er hat nicht am Essen teilgenommen sondern in der Schweineküche Pellkartoffeln aus dem Schweinekessel gegessen. Er half dem Neffen mit viel Geld, dass dieser treu und brav im Laufe der Jahre zurückbezahlte. Und der Hof stand wieder gut da.

 

Sokollen - Falkendorf - Sokoly Gorski 

1945 und heute

 

 

 

Die letzten Jahre

 

Wihelm und Wilhelmine waren ein glückliches Paar. Wilhemine starb 1939 mit 78 Jahren, nachdem sie mit Wilhelm noch die "Platine Hochzeit" (also 60 Jahre verheiratet!) feiern konnten. Nun war Wilhelm alleine, aber einsam war er vielleicht nur im Herzen. Er hatte schließich 12 Kinder, und diese hatten wiederum über 40 Enkel in die Welt gesetzt! Er erlebte noch mehrere Urenkel. Seine Enkel und Urenkel spielten oft auf dem großen Gut in Sokollen, und einmal saßen sie auf den großen Schöpfbrunnen, was sehr gefährlich war. Voller Sorge schlich sich der Großvater von hinten an die Kinder heran, um sie nicht zu erschrecken, und fegte die kleinen dann mit einen einzigen Armstoß vom Brunnenrand herunter. Aber die Strafpredigt wird wohl nicht zu hart gewesen sein. Wilhelm starb kurz nach seinem 90. Geburtstag, im März 1944. Genau ein Jahr später machten sich seine Nachkommen in eine ungewisse Zukunft gen Westen auf. Er starb als letzter seiner Familie auf dem Hof, den seine Vorfahren seit 600 Jahren bewohnt hatte.

 

Goldene Hochzeit um 1932