... tauchen zuweilen Schicksale auf, die einen mehr treffen können, als eine ganze Biografie vermocht hätte.

 

1503

Am 1. März 1503 starb die angesehene Adlige Carlotta de Montrotier, welche als Ehrendame am savoyardischen Hof gearbeitet hatte. Sie starb an der Geburt meines Vorfahren - ihres 23. Kindes. Von diesen Kindern erreichten gerade mal 6 das Erwachsenenalter, die Restlichen wurden alle von der Pest hinweggerafft. Ihr Sohn wurde bereits mit 9 Jahren Vollweise. 

 

 

1621

Johann Heinrich Frey, ein Gewürzkrämer in den besten Jahren, kam an einem Junitag mit dem Kapitän Emanuel Socin in einen schweren Streit, der mit einem Duell vor dem "roten Haus" in Basel endete. Mein Vorfahre sollte diese Partie nicht überleben, er wurde von dem Kapitän erstochen. Er hinterließ eine junge Witwe und einen einzigen Sohn. Seine Frau überlebte ihn um 35 Jahre. 

 

 

1646

Elisabetha Wunderlichs Eltern haben sich als protestantische Flüchtlinge in Regensburg kennen gelernt, lebten aber kaum 6 Jahre und 4 Monate zusammen, als sie beide innerhalb 8 Tagen starben, und Elisabetha als 1 Jährigen Waisen in Ulm zurückließen. Sie kam bis zu ihrem 4 Lebensjahr bei einer Nagelschmiedin, dann bei einem Schuhmacher in Erziehung. Es folgten 2 Jahre im Findelhaus bis sie mit 6 Jahren von dem Buchführer Görlin als Ladenmädchen aufgenommen wurde. Dort wurde sie wegen ihrer guten Fühung den späteren Ehemann Rektor Wilhelm Diez bekannt.

=> siehe auch "Ahnentafel-Dietz"

 

 

1662 

Johannes Kratzsch lebte das beschwerliche Leben als Anspanner in Monstab im Altenburger Land. Er schenkte 18 Kindern das Leben und trug 3 Ehefrauen zu Grabe. Er erreichte das hohe Alter von 70 Jahren, als er an einem kalten Februartag in eine Mistgabel fiel. Er starb bald darauf an den schmerzhaften Folgen. 

 

 

1667

"Den 24 ten July ist Daniel, des Weber Friedrich Burgundiß 14 jähriger Sohn, welcher den 22. ejusedem, alls er in dem Bach sich baden wolte, ertrunken, begraben worden."

Kirchenbucheintrag in dem elsässischen Örtchen  Dosenheim(-sur-Zinsel). Daniel war der Bruder meiner Vorfahrin Apollonia Burgundiß.

 

 

1769

"Anna Elisabeth Dietz geb. Hiring litt in ihren Witwestande mehrere Jahre an einer von der Mutter auf mehrere Kinder fortgepflanzte Melancholie, in welcher sie auch zuletzt, den 9.3.1769, durch einen unglücklichen Sturz in einen Schöpfbrunnen in Karlsruhe ihr Leben durch Selbstmord beendigt hat, das sonst jederzeit nach jedermanns Zeugnis ganz christlich und untadelhaft gewesen war."

=> siehe auch "Ahnentafel-Dietz"

 

 

1772

Johann Jacob Kaiser war Schullehrer in den kleinen Dorf Vögisheim - allerdings waren diese kaum an Bildung interessiert. Er klagt: "Ich bin der erste Fremde, von jedermann fast verlassene Schulmeister dahier, mußte in das elendste Haus einziehen, darinnen ich mit den Schulkindern, wie auch meinem Weibe und Kindern bisher fast verdorben, verfroren und um meine Gesundheit gekommen" Bald darauf starb der 35-jährige an Thypus und ließ eine arme Witwe und zwei kleine Halbwaisen zurück. 

 

 

1813-1820

Das die Kindersterblichkeit früher höher war als heute, weiß fast jeder. Trotzdem hat mich das Schicksal meiner Ururururgroßeltern aus dem kleinen Ort Niklashausen besonders getroffen.

 

Andreas Brümmer (er wurde 49 Jahre alt), ein Gastwirt, und seine Ehefrau Eva Rückert (sie wurde nur 46 Jahre alt) hatten folgende Kinder (alle geboren in Niklashausen - und alle dort gestorben...):

 

  1. Andreas *30.12. - 31.12.1814 (1 Tag alt) "welcher wegen der Schwachheit sogleich von der Hebamme (...) getauft worden")
  2. Ein Knäblein von Hebamme genothtauft am 9., bis 10.12.1815 in aller Stille begraben (wenige Stunden alt)
  3. Anna Eva Katharina 22.8. - 22.10.1816 (2 Monate alt)
  4. Johann Christoph (Vorfahre!) → 71 Jahre!
  5. Katharina */+ 20.18.1819 (Nottaufe durch Hebamme, wurde nur eine halbe Stunde alt)
  6. Anna Katharina 20.7. - 6.8.1820 (19 Tage alt)

 

 

1942-1945

Ich weiß noch nicht einmal, wann Richard Kozianka geboren wurde. Er wird damals um die 12- Jahre alt gewesen sein. Zusammen mit seinen zahlreichen Geschwistern und Verwandten ging er an diesem Kriegsostern direkt an der polnischen Grenze in Ostpreußen Ostereier suchen. Aber es gab nur so wenige! Zuhause war er darüber so erbost, das er die wenigen Eier an die Zimmerdecke schleuderte. Die wütenden Eltern schickten ihn aus dem Haus. Einige Zeit später kam er wieder, blass und schweigsam setzte sich der Junge an den Kachelofen. Wenige Stunden später starb er. Die entsetzten Eltern fanden bald den Grund heraus: die Russen hatten vergiftetes Konfekt über ihre Heimat abgeworfen. Und obwohl Richard von den Eltern und von russischen Kriegsgefangenen vor solchen „Bomben“ gewarnt wurde, hatte er es nicht lassen können.  

=> siehe auch "Leben in Masuren"